Industrie 4.0

Industrie 4.0: Ein Billionen-Markt

Begriffe wie „Industrie 4.0“ oder „Das Internet der Dinge“ machen die Runde, immer häufiger liest und hört man darüber. Dennoch fühlen sich viele Unternehmen davon nicht betroffen oder angesprochen. Ein Fehler, denn der Markt wird bereits aufgeteilt.

Maschinen sind in der modernen Produktion längst nicht mehr nur ausführende „Organe“. Sie befinden sich in direkter Kommunikation mit den Menschen. Und je besser diese Kommunikation strukturiert ist, desto reibungsloser laufen Produktionsprozesse ab. Der Markt bietet so viel Potenzial, dass bereits fleißig an der Aufteilung der Kuchenstücke gearbeitet wird.

Deutscher Maschinen- und Anlagebau im Internet der Dinge

Mag sein, dass die Amerikaner hin und wieder zur Superlative neigen. Und vielleicht ist es tatsächlich übertrieben, aber die IT-Riesen aus den USA vermuten mit dem Internet der Dinge bis zum Jahr 2020 Umsätze im Bereich von 1,8 Billionen Dollar. Selbst wenn man die eine oder andere Million abzieht, bleibt ein Potenzial, das sich gewaschen hat. Klar, dass der Kampf um die besten Plätze begonnen hat. Auch in Deutschland.

Kommunikation in der Fabrik der Zukunft

In Deutschland gibt es ein Gremium, das sich „Industrie 4.0“ nennt und von namhaften Verbänden wie VDMA, Bitcom und ZVEI repräsentiert wird. Um die Kommunikation von Maschinen, Werkstücken und Materialien zu perfektionieren, hat das Gremium ein dreistufiges System entwickelt. Die Idee hinter diesem System ist der Ansatz, dass übers Netz nur verschickt werden kann, was zuvor von der Software freigegeben wurde. So soll ein hochgradig zuverlässiges und absolut geschütztes Netzwerk entstehen. Das dreistufige System trägt zwar einen ziemlich sperrigen Namen – wer in aller Welt denkt sich „Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0“ aus? -, soll die Kommunikation in der Fabrik aber deutlich effizienter gestalten helfen.

Das deutsche Modell: Beliebt auch über'n großen Teich

Beim Einsatz neuer Software in produzierende Betrieben geht es nicht nur um Effizienz, sondern auch um Konkurrenz. Wer hier beim Entwickeln von Standards schneller ist als andere, hat klare Vorteile beim Wettbewerb. Wohl auch deshalb haben sich die Amerikaner das deutsche Modell sehr genau angesehen. Und es für gut befunden. Zwar hatte das Industrial Internet Consortium (IIC) bereits angekündigt, dass die direkte Kommunikation übers Web favorisiert werde. Doch das neue Konzept der internetfixierten amerikanischen Unternehmen gleicht dem deutschen nahezu vollständig.

Auch China macht mit

Wo wirtschaftlich Großmächte ihre Finger im Spiel haben, dann darf China nicht fehlen. Aus dem Land mit der größten Bevölkerungszahl weltweit ist längst ein wichtiger Global-Player geworden. Und zwar einer, der das deutsche Modell ebenfalls favorisiert. Der Vorwurf, dass China gern Ideen klaut, darf hier aber nicht gelten. Denn erstens haben sich die US-Firmen ja schon des Systems Referenzarchitekturmodell RAMI 4.0 bedient. Und zweitens ist das Übernehmen von Ideen unter Ingenieuren üblich. Das meint zumindest Siegfried Russwurm, der seinerseits der Vorsitzende des Lenkungskreises von „Industrie 4.0“ ist. Debatten unter IT-Experten sind demnach ein zielorientierter Vorgang, der vorrangig auf Ergebnisse abzielt. Die Tatsache, dass sich das deutsche System auch bei Amerikanern und Chinesen durchsetzen konnte, kommentierte Russwurm mit den Worten: „Was richtig und wahr ist, das setzt sich auch durch.“